Übungsbeispiele zur Förderung der auditiven Wahrnehmung von Schülern

Es gilt bei der Förderung im Schulalltag zwei Dinge zu berücksichtigen:  zum einen der Förderbedarf eines Kindes, zum anderen die Belange des "Klassenrests". Eine Förderintervention darf nicht zu einem Zeitproblem für die ganze Klasse werden.
Daher ist immer zu überlegen, falls eine Einzelförderung nicht möglich ist, ob sich im  "normalen" Unterricht nicht genügend Anlässe schaffen lassen. Die u.a.Übungen können  im Klassenraum, im Musikraum, in der Sporthalle und auf dem Schulhof durchführt werden. Auch der Materialaufwand ist gering. Sie werden Ihre Kreativität neu entdecken!

Auf dem Markt ist das Angebot an Fördermaterialien riesengroß. Sie erhalten Bücher, Hefte, Hörbücher, Kassetten/ Audio CD-ROM und Software. In der Literatur unseres Projekts finden Sie weitere Angaben.

Der Zeitbedarf  für eine Förderung  beträgt zehn Minuten pro Tag. Von den Übungen profitieren alle Schüler einer Klasse; nicht nur durch diese Übungen an sich, sondern auch durch die Organisation (z.B. Behalten und Anwenden von Aufgaben, der soziale Umgang während der Übungen...).

Der Förderschüler muss ja noch nicht einmal für seine Mitschüler in seinem Förderbedarf erkennbar sein. In den aufgeführten Übungen wird allerdings die Rolle des Förderschülers explizit beschrieben, um Ihnen die Struktur der jeweiligen Übung zu verdeutlichen.


Materialien/Intention Vorbereitung Durchführung Aufgabe Variation
1 Mit unterschiedlichen Materialien
(z.B. Papier) werden Alltagsgeräusche produziert.
Diese werden mit dem Förderschüler gemeinsam erzeugt, damit er sie genau hören lernt. Danach erzeugt ein anderer Schüler die Geräusche hintereinander. Der Förderschüler erhält die Aufgabe, diese Geräusche in der richtigen Reihenfolge zu benennen. Der Schwierigkeitsgrad wird mit zunehmender Geräuschezahl gesteigert.
2 Der Förderschüler steht im Raum, ca 1m links und rechts stehen zwei weitere Schüler. Diese sprechen dem Förderschüler zeitgleich unterschiedliche Zahlen oder Wörter zu. Der Schüler soll versuchen, beide Zahlen oder Wörter zu erkennen und zu benennen. Steigerung des Zahlenraums, der Länge des Wortes
3 Mit unterschiedlichen Instrumenten Geräusche produzieren Der Förderschüler hat die Augen verbunden. Die anderen Schüler verteilen sich im Raum und erzeugen nacheinander Geräusche mit Instrumenten. Der Förderschüler
- zeigt die Richtung, aus der das jeweilige Geräusch kommt;
- bewegt sich auf das Geräusch zu;
- wirft einen Softball
in die Richtung
Steigerung der Anzahl der Instrumente
4 Die Hälfte der Klasse erzeugt mit Instrumenten Geräusche. Die andere Hälfte, darunter der Förder- schüler, hat die Augen verbunden. Diese Schüler sollen ein zugeteiltes Instrument finden. Standortwechsel der Instrumente
5 Die Schüler bilden eine Gasse; der Förderschüler hat die Augen verbunden. Sie imitieren "Bäume", indem die Schüler mit dem Mund "rauschende" Geräusche machen. Der Förderschüler versucht, durch die Gasse zu gehen, ohne einen "Baum" zu berühren. Reduzierung der Lautintensität, bis hin zu leichtem "Gras wispern".
6 Gegenstände und Dosen mit Deckel Dem Schüler werden zwei Gegenstände gezeigt. Verdeckt wird jeder Gegenstand in je eine Dose gelegt.
Durch Schütteln der Dosen soll der Schüler erraten, welcher Gegenstand sich in welcher Dose befindet. Steigerung der Anzahl der Dosen;
zunehmend ähnliche  klingende "Dosen" einsetzen.

Den vorangestellten Übungen sind die folgenden Fähigkeiten zuzuschreiben, die für die Verarbeitung und Wahrnehmung akustischer Stimuli benötigt werden. Der Komplexitätsgrad der Hörverarbeitung lässt sich unschwer erkennen:

Auditive Aufmerksamkeit
Fähigkeit, akustische Stimuli unbewusst aufzunehmen und kurz oder langfristig aufrecht zu erhalten
Auditives Gedächtnis
Fähigkeit, akustische Stimuli zu speichern und altersgemäß zu reproduzieren
Dichotisches Hören
Fähigkeit, gleichzeitig und gleichwertig auftretende verschiedene Sprachsignale voneinander zu trennen
Lautdiskrimination
Fähigkeit, Sprachlaute zu identifizieren und differenzieren
Lautheitsempfinden 
Fähigkeit, normal laute akustische Stimuli als nicht zu leise und laute Schallereignisse als nicht zu laut/schmerzhaft zu empfinden
Richtungshören
Fähigkeit, den Entstehungsort, die Richtung und die Entfernung eines Schallereignisses genau zu lokalisieren
Selektivität
Fähigkeit, relevante akustische Informationen von unterschiedlichen und unterschiedlich lauten Neben- und Hintergrundgeräuschen effektiv zu trennen

Weiterführende Informationen erhalten Sie bei:

www.lrs-auditiv.de
www.lernberatung-duelmen.de/Lernstorungen/Wahrnehmungsstorungen/wahrnehmungsstorungen.html