Welche Zielsetzungen werden verfolgt?

Ein Problem, das wir in der täglichen Arbeit hier sehen, ist, dass der Begriff 'Wahrnehmungsstörung' als Diagnose gebraucht wird, obwohl letztendlich hier (völlig unterschiedliche) Auffälligkeiten in den Reaktionen auf akustische Reize gemeint sind. Solche Reaktionsauffälligkeiten können nicht nur durch:
   - Störungen der Hörverarbeitung im engeren Sinne entstehen,
      sondern natürlich auch durch:
   - primäre Störungen der Aufmerksamkeit,
   - Störungen der Planungs- und Kontrollfunktion,
   - umschriebene Gedächtnisstörung (z. B. der dynamischen Kapazität des Arbeitsgedächtnisses) u.a.“

Prof. Dr. med. M. Ptok
Direktor der Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Hannover


Das Projekt stellt sich im Rahmen der Aufarbeitung diagnostischer Strategien der Komplexität, auf die Herr Professor Ptok  und auch Herr Dr. Andreas Nickisch vom Kinderzentrum München in seinem Buch (siehe Literatur) hinweisen.
Befürwortet wird eine ganzheitliche/ intermodale Verfahrensweise, die als "Case-Management" Abläufe steuert und Verfahrenswege aufzeigt. Damit entsteht die Gewährleistung für eine umfassende Diagnose - es entfällt das Problem der "Überdiagnostizierung" eines Kindes -, Zugangswege und Verfahrensabläufe werden transparent und die therapeutische Intervention gesteuert.

Die Aufgliederung der Projektarbeit in verschiedene Arbeitsgruppen bewirkt die Integration unterschiedlicher, sich ergänzender Sichtweisen und die Möglichkeit der ganzheitlichen Vorgehensweise. Die TeilnehmerInnen des Projektes kommen übrigens aus den folgenden Bereichen:
Kindergarten, Schulkindergarten, Regelschule, Sonderschule, Schulamt, Jugendamt der Alten Hansestadt Lemgo, Logopädie, Sprachheilberatung des Kreises Lippe, Psychologie, Medizinischer Bereich (HNO-Arzt, Kinderarzt, Schularzt für den Kreis Lippe), Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe, Gesundheitskonferenz des Kreises Lippe.

Der Ansatz einer mehrdimensionalen Betrachtungsweise ist uns bewusst und wird in der Tätigkeit der Arbeitsgruppen beachtet, so dass wir monokausale Ableitungen verhindern.

Das Projekt befasst sich neben der Gestaltung der Verfahrensabläufe und des diagnostischen Instrumentariums auch mit der Aufarbeitung vorschulischer/schulischer Förderung und außerschulischer Therapie.



Als Ziele des Projektes sind definiert:

Verbesserung des Informationsstandes der Fachkräfte im Kindergarten-/der KollegInnen im Regel-/Sonderschulbereich
Sensibilisierung der Ärzte und Krankenkassen
Bildung eines Netzwerkes, das frühzeitiges und qualifiziertes Erfassen auditiv gestörter Kinder ermöglicht und allen beteiligten Personen nachvollziehbare Handlungsabläufe (Zugangswege, Verfahrensabläufe, Hilfestellungen) anbieten kann.
Vor-Ort-Diagnose mit unmittelbarer Beteiligung aller Verfahrensteilnehmer
Aufbau je eines standortnahen, audiologischen Kompetenzzentrums im Kreis Lippe:
      - für objektive Testverfahren (medizinische Diagnostik)
      - für subjektive Testverfahren (pädagogische Diagnostik)