Frühdiagnose und Frühförderung im Kindergarten

Prädiktoren weisen schon vor der Einschulung auf zukünftige Probleme im Bereich der Lese-Rechtschreibkompetenz hin.
Für ein diagnostisches Vorgehen stehen z.B. "Die Diagnostischen Einschätzskalen (DES)" von Barth und das Diagnose-Verfahren "Differenzprobe für Fünf- bis Sechsjährige (DP I)" von Breuer -Weuffen zur Verfügung.

Mit dem "Bielefelder Screening (BISC)" von Mannhaupt/ Jansen/ Skowronek, dem "Gruppentest zur Früherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten. Phonologische Bewusstheit bei Kindergartenkindern und Schulanfängern (PB-LRS)", den Förderprogrammen "Hören, Lauschen , Lernen (HLL)" von Küspert/ Schneider/ "Hören, Lauschen , Lernen (HLL) 2" von Plume/ Schneider und "Wuppis Abenteuer-Reise" von Christiansen verfügt der Frühförderbereich zudem über ein präventive Diagnose- und Förderinstrumente, die Entwicklungsstörungen bei Kindern im Bereich der phonologischen Bewusstheit, der phonologischen Gedächtnisfertigkeit und der visuellen Diskriminationsfähigkeit entgegenwirken können.

Die benannten Verfahren basieren auf der Annahme, dass eine nicht ausreichend ausgebildete "Phonologische Bewusstheit" sowie Aufmerksamkeits - und Gedächtnisprobleme für die Ausbildung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten verantwortlich sind.

Die erste Testung (als Einzeltest oder Gruppentest) der Kinder findet 10 Monate vor der Einschulung statt; die zweite Überprüfung erfolgt 4 Monate vor der Einschulung.

Die Eltern/Erziehungsberechtigten erhalten Informationen durch die ErzieherInnen und geben anschließend ein Votum zur Zustimmung oder Ablehnung für eine Teilnahme ihres Kindes ab.

Die Kinder, die bei dem Test mit einer wahrscheinlichen Lese-Rechtschreibschwäche aufgefallen sind ("Risikokinder"), können durch ein spezielles Training gefördert werden:

Das Förderprogramm HLL umfasst einen Zeitraum von 20 Wochen; täglich erfolgen Übungen von 10-15 Minuten Länge.
Das Programm besteht aus 6 Übungseinheiten, die inhaltlich aufeinander aufbauen.
Die Spiele dieser Übungseinheiten verfolgen das Ziel, den "Risikokindern" Einblick in die Lautstruktur der gesprochenen Sprache zu vermitteln.
Im Vordergrund steht die akustische Diskrimination bzw. Abstraktion sprachlicher Segmente wie  Phoneme, Silben, Wörter und Reime.
Das Programm ist mit zahlreichen Bildern, Bewegungs- und Singspielen sehr spielerisch und Kind gerecht gestaltet und will somit den Kindern nicht nur Einblick in die Werte der Laute, sondern auch Freude im Umgang mit Sprache vermitteln.

Ziel aller Programms ist nicht das vorgezogene Lernen des Lesens und der Rechtschreibung, sondern eine Förderung der phonologischen Bewusstheit, der zentralen Vorläuferfunktion für den Schriftsprachwerb.

Im Kreis Lippe werden in evangelischen Kindertagesstätten BISC und HLL eingesetzt, nachdem die ErzieherInnen aus 8  Einrichtungen sich bis Juli 2001 durch die Teilnahme an einer Fortbildungsmaßnahme d
es Diakonischen Werkes Lippe für den Umgang mit diesem Instrumentarium qualifiziert hatten. Im Juni 2002 haben weitere MitarbeiterInnen evangelischer Kindertagesstätten aus 10 lippischen Gemeinden an dieser Fortbildung teilgenommen. Die evangelischen Kindergärten mit Qualifizierung zu BISC und HLL befinden sich in: Alverdissen, Augustdorf, Barntrup, Bechterdissen, Detmold, Dörentrup-Hillentrup, Extertal, Heiligenkirchen, Helpup, Horn, Lage, Lemgo. Das Jugendamt der Alten Hansestadt Lemgo führte seit Sommer 2002 einen Qualifizierungslehrgang für ErzieherInnen hinsichtlich BISC/ HLL durch. Im Juli 2005 schloss der Kreis Lippe eine neunmonatige Fortbildung von 22 Erzieherinnen im Kontext BISC/HLL ab. Im entsprechenden Presseartikel (LZ vom 14.7.2005) wurde erwähnt: "Bis zu 17 Prozent aller Schulkinder leiden an einer Lese- und Rechtschreibschwäche und nur wenige schaffen einen erfolgreichen Schulabschluss."

Zwei Lemgoer Kindergärten mit Erfahrungen zu diesem Programm zur Prävention von Lese-Rechtschreibschwächen sind zudem Teilnehmer des Projekts "Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen bei Kindern":

Bodelschwingh-Kindergarten  und   Kindergarten Lemgo-Lieme. Beide Einrichtungen haben im Sommer 2000 mit dem Programm ( BISC /HLL) begonnen und stellen ihre Ergebnisse vor (Klicken Sie hierzu jeweils auf den Namen der betreffenden Einrichtung)

Durch die interdisziplinäre Kooperation des Projektleiters mit Herrn Prof. Dr. Dipl. päd. Karlheinz Barth kann Ihnen an dieser Stelle unserer Webseiten der "Münsteraner Entwicklungsbogen" als ein weiteres Verfahren zum Screening des Entwicklungsstands eines Kindergartenkindes präsentiert werden. Herr Prof. Dr. Barth ist Leiter der Erziehungsberatungsstelle Geldern und hat dieses Kindergarten-Screening entwickelt. Durch diesen Entwicklungsbogen erhalten Sie neben Beobachtungen zur auditiven Entwicklung ein umfassendes Screening, dessen Ergebnisse Sie in einer Entwicklungsspirale darstellen können.

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