Herr Dr. med. Matthias Richter ist niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Praxis in Lemgo. Er beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit dem Thema "AVWS bei Kindern".
Herr Dr. med. M. Richter ist der Leiter der Arbeitsgruppe 2 unseres Projektes. Durch diese Kooperation entstehen Impulse, die sich auch in der täglichen Arbeit des Arztes wiederspiegeln. Die Darstellung einiger dieser Erfahrungen sind Inhalt dieser Seite, deren redaktionelle Ausgestaltung durch den Projektleiter vorgenommen wurde.


1.) Vorsorge

Eltern haben im Rahmen der freiwilligen Kinder-Vorsorgeuntersuchungen die Möglichkeit, Fehlentwicklungen ihres Kindes frühzeitig diagnostizieren zu lassen. Die Früherkennung ist Voraussetzung für eine rasche Intervention. Unterstützen können die Eltern das Prinzip der Früherkennung, in dem sie durch gezielte Eigenbeobachtung ihres Kindes Rückmeldungen über mögliche Hörstörungen an den Pädiater geben. Hierfür hält der Pädiater es eine kleine Broschüre bereit; herausgegeben vom Berufsverband der Ärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Deutschlands e.V.  Die Broschüre, die es übrigens auch in Englisch, Französich, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Kroatisch, Russisch und Türkisch gibt, enthält Items zur Beobachtung der Hörfähigkeit von U 3 bis U 8.

Die zeitliche Abfolge der Vorsorgeuntersuchungen im Kindes-und Jugendalter:

Bezeichnung Zeitrahmen Auditive Befundung   (laut Untersuchungsheft für Kinder)
U   1 1. Lebenstag -
U   2 3. - 10. Lebenstag Fehlbildung des Ohres
U   3 4. - 6. Lebenswoche Akustischer Blinzelreflex auf Händeklatschen fehlt
U   4 3. - 4. Lebensmonat Reaktion auf akustischen Reiz fehlt ( z. B. Lauschen, Blickwendung)
U   5 6. - 7. Lebensmonat Hörreaktion fehlt - rechts/links (keine Kopfwendung zur Geräuschquelle seitlich hinter dem Kopf)
U   6 10. - 12. Lebensmonat Hörreaktion fehlt - rechts/links (keine Kopfwendung zur Geräuschquelle seitlich hinter dem Kopf)
U   7 21. - 24. Lebensmonat Hörreaktion fehlt - rechts/links (keine Kopfwendung zur Geräuschquelle seitlich hinter dem Kopf)
U   7a 34. - 36. Lebensmonat -
U   8 3;7. - 4. Lebensjahr Beeinträchtigtes Hörvermögen - rechts/links (Hörtest)
U   9 5. - 5;4. Lebensjahr Beeinträchtigtes Hörvermögen - rechts/links (Hörtest)
U 10 7. - 8. Lebensjahr -
U 11 10 - 11 Jahre -
J 1 13 - 14 Jahre -
J 2 14 - 16 Jahre -


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kindervorsorgeuntersuchung


2.) Eigenbeobachtung der Eltern

Den Screening-Bogen (Schule/Elternhaus) hat Herr Dr. med. M. Richter so variiert, dass er zeitökonomisch und effektiv eine Elternbefragung in der Praxis durchführen kann.

Fragebogen zur Häufigkeit von Hörstörungen bei Kindern

Alter:  ___   Jahre


oft
manchmal
selten
nein
1.
Verliert Ihr Kind schnell das Interesse beim Vorlesen oder beim Abspielen von Hörkassetten?



2.
Stellt Ihr Kind das Radio/den Fernseher zu laut ein?
3.
Versteht Ihr Kind in geräuschvoller Umgebung falsch?



4.
Hat Ihr Kind Probleme, wenn 2 Personen gleichzeitig sprechen?
5.
Beschwert sich Ihr Kind, dass zu leise gesprochen wird?



6.
Verwechselt Ihr Kind ähnlich klingende Worte (Tanne-Kanne)?
7.
Fühlt sich Ihr Kind in lauten Situationen (Straße, Hallenbad, Turnhalle, Einkaufsmarkt.) unwohl?



8.
Lässt sich Ihr Kind gerne vorlesen?
9.
Weiß Ihr Kind immer, wo es suchen soll, wenn es gerufen wird?



10.
Hat Ihr Kind Probleme, wenn es den Sprecher nicht sieht?
11.
Orientiert sich Ihr Kind bei Aufträgen und Anweisungen häufig an Spielkameraden?



12.
Guckt Ihr Kind nicht in die richtige Richtung, aus der es gerufen wird?
13.
Ist Ihr Kind unkonzentriert?



14.
Verwechselt Ihr Kind verschiedene Geräusche?
15.
Ist Ihr Kind empfindlich gegen Lärm (Hält es sich dann z.B. die Ohren zu)?





Herr Dr. med. M. Richter in seinem Fragebogen eine Punktebewertung vorgenommen, um  Kriterien für den Einsatz einer pädaudiologischen Intervention definieren zu können.
Die Bandbreite der Punkteverteilung pro Item reicht von 1 - 4. Bei 15 Items ergibt sich  eine Maximalpunktzahl von 60 Punkten. Beachten Sie bitte, dass die Wertigkeit der Punktzahl von 1-4 je nach Item variiert: ( 1 - 4; 4 - 1) .
Bei 100 Kindern ist der Fragebogen von den Eltern ausgefüllt und anschließend statistisch ausgewertet worden.


 
Diagramm 1:
Differenzierung nach Altersgruppen: 4 - 9 jährige Kinder und 10 - 15 jährige Kinder





Diagramm 2:
Keine Differenzierung nach Altersgruppen




Intervention des Pädiaters:
Eine weitergehende Diagnostik im Bereich AVWS würde bei einer Punktzahl < 46-50 vorgenommen werden.



Herr Dr. med. M. Richter stellt seinen Fragebogen  allen Interessierten zur Verfügung.
Sie können diese Ausarbeitung jetzt direkt downloaden.

Download:
Fragebogen für die ärztliche Praxis

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PDF-Datei:
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3.) Durchführungsobjektivität

Für die Durchführung eines standardisierten Testverfahrens ist u.a. die Einhaltung der Durchführungsobjektivität notwendig. Herr Dr. med. M. Richter verfügt über ein Gerät zur Schalldruckmessung.
Bei mehreren Probanden wurde der Mottier-Test unter verschiedenen Schalldruckstärken durchgeführt.
Das folgende Diagramm zeigt deutlich die quantitative Abhängigkeit der reproduzierten Sinnlos-Silben von der Schallintensität.
   
   


Je größer der Schalldruck, desto mehr Items des Mottier-Tests werden richtig wiedergegeben 


Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Ergebnissen des nächsten Testverfahrens, das Herr Dr. med. Richter ebenfalls zur Diagnose in seiner pädiatrischen Praxis einsetzt.




4.) Überprüfung des Arbeitsspeichers

Herr Dr. med. Richter hat bei den Vorsorgen U8 und U9 in einer Kurzserie das Wiederholen von 3 und 4 Ziffern überprüft (ähnlich dem Kramer-Test) und entsprechend ausgewertet.


Diagramm 4:
U8
U9
Dreier
3,8
4
Vierer
1,8
2,2




e-mail an Herr Dr. med. Matthias Richter