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| Verfasserin |
Sabine Kreienbring |
| Thema: |
„Entwicklung eines Konzeptes zur Förderung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit für einen Schüler der Klasse ... an einer Schule für Lernbehinderte |
| Fach: |
Sondererziehung und Rehabilitation der Lernbehinderten
Studienseminar für das Lehramt für Sonderpädagogik Bielefeld |
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Auszüge aus der Hausarbeit gemäß § 58 OVP (Auszug) |
| Datum |
Frühjahr/Sommer 2001 |
1. Anliegen der Arbeit
1.1 Notwendigkeit von Förderung
An der Schule für Lernbehinderte richtet sich die Arbeit des Sonderschullehrers intensiv auf den Umgang mit lernbehinderten Schülern. Aber wer ist eigentlich lernbehindert?
Als lernbehindert im engeren Sinn werden Personen bezeichnet, die schwerwiegend, umfänglich und langdauernd in ihrem Lernen beeinträchtigt sind und dadurch normabweichende Leistungs- und Verhaltensformen aufweisen.“
Kanter, G. O.: In: Engelbrecht, A.; Weigert, H.: Lernbehinderungen verhindern. Anregungen für eine förderorientierte Grundschule. 2. Aufl. Frankfurt/ M: Diesterweg, 1994, S. 106
Entsprechend des Schul- und Bildungsgesetzes des Landes Nordrhein Westfalen hat die Schule die Aufgabe, die Jugend „geistig und körperlich zu bilden und ihr das für Leben und Arbeit erforderliche Wissen und Können zu vermitteln.“
Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW. Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschriften. 15 Ausgabe. 2000/2001, § 1 Abs. 3, SchOG
Um das Anliegen gewährleisten zu können, ist gerade bei lernbehinderten Schülern eine umfassende Förderung nötig. Die Förderung muss sich auf grundlegende Voraussetzungen für das Lernen richten, denn bei lernbeeinträchtigten Schülern sind gerade hier Auffälligkeiten festzustellen. Dieses bedeutet natürlich, dass der Schüler in seiner gesamten Persönlichkeit wahrgenommen wird, seine Stärken in einzelnen Bereichen herausgestellt werden und darauf aufbauend spezielle Förderungen in einzelnen Defizitbereichen erfolgen können. Ein Bereich, in dem Schüler der Schule für Lernbehinderte häufig erhöhten Förderbedarf haben, ist der Bereich der Wahrnehmung, speziell der auditiven Wahrnehmung.
Dieses Thema gewinnt zur Zeit an den Schulen zunehmend an Bedeutung und wird auch in der aktuellen Fachliteratur vielfältig diskutiert. Auch an meiner Ausbildungsschule wird der Bereich der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit in unterschiedlichen Zusammenhängen thematisiert. Um ein zielgerichtetes Arbeiten aller Kollegen zu ermöglichen, müssen sie für besondere Auffälligkeiten der Schüler sensibilisiert werden, die auf Beeinträchtigungen in der auditiven Wahrnehmung des Schülers hindeuten. Darauf aufbauend ist es nötig die Beobachtungen mit entsprechenden diagnostischen Verfahren zu konkretisieren, um auf dieser Grundlage die optimalen Fördermaßnahmen für den Schüler zu entwickeln. Das von mir aufgezeigte Konzept am Beispiel des Schülers... hat das Anliegen, für alle Kollegen der Anne-Frank-Schule die Arbeit im Bereich der auditiven Wahrnehmung zu erleichtern und zu strukturieren.
4. Analyse der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit bei.....
4.1 Beobachtungen bei dem Schüler
Ausgangspunkt aller weiterführenden Maßnahmen innerhalb des Konzeptes sind zunächst Alltagsbeobachtungen von .... Er ist ein Schüler, der erhebliche Schwierigkeiten in seiner Konzentrationsfähigkeit aufweist. Jedoch reicht diese Beobachtung nicht aus, um Rückschlüsse bezüglich seiner auditiven Wahrnehmungsfähigkeit zu ziehen. Die Ursachen für die Konzentrationsschwierigkeiten von ... sind sehr vielfältig. Sie können z. B. in einer Beeinträchtigung der visuellen Wahrnehmung oder aber auch in sehr schwierigen häuslichen Bedingungen liegen. Für ... ist diese Vermutung aber auszuschließen. Erst erweiterte Beobachtungen erhärten den Verdacht auf eine Störung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit. Hierzu zählt beispielsweise für ... ein häufiges Nachfragen bei Diktaten, eine zunehmende Unruhe, wenn in der Klasse mehr als ein Schüler spricht, erheblich größere Schwierigkeiten im mündlichen Rechnen als im schriftlichen Rechnen und Orientierungsschwierigkeiten im Mannschaftssport.
Für die Beobachtung einzelner Schüler oder Schülergruppen sind Videoaufnahmen sehr positiv.
Voraussetzung dafür ist, dass die gesamte Klasse an die Kamera gewöhnt ist und dieses Medium nicht das gesamte Klassenverhalten stört. Durch die Betrachtung der Aufnahmen können einzelne Verhaltensweisen der entsprechenden Schüler vom Klassenlehrer genauer analysiert werden. Leider ist die Klasse ... noch nicht an Videoaufnahmen gewöhnt. Deshalb habe ich zu diesem Zeitpunkt auf solche Aufzeichnungen verzichtet, da sie das normale Klassenverhalten verändert hätten. Gerade ... zeigt bei Aufnahmen mit dem Tonbandgerät ein sehr albernes und abgelenktes Verhalten.
Zur Ermöglichung einer differenzierten und strukturierten Beobachtung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit von Schülern wurde von mir ein Beobachtungsbogen in Anlehnung an Lehrerbeobachtungen des Hörgeschädigten - Zentrums Würzburg erstellt. Bestehen bei einem Schüler durch Alltagsbeobachtungen Vermutungen zu Auffälligkeiten, kann der Beobachtungsbogen genaueren Aufschluss über die Fähigkeiten in einzelnen Wahrnehmungsbereichen geben. Die Form des Beobachtungsbogens wurde auf Grund der praktikablen Umsetzung für den einzelnen Lehrer gewählt. So ist er von den Lehrern der Schule auch für andere Schüler mit auditiven Wahrnehmungsstörungen anwendbar. Der Beobachtungsbogen enthält Beobachtungskriterien innerhalb der einzelnen Bereiche der auditiven Wahrnehmung und ermöglicht Abstufungen in der Beurteilung von "trifft nicht zu"; bis "trifft sehr zu". Entsprechend der Antworten erfolgt die Auswertung der Beobachtungen.
Für ... habe ich die Beobachtungen anhand des Bogens zunächst selbst durchgeführt und ausgewertet. Die Auswertung bestätigte die Hinweise auf eine auditive Wahrnehmungsschwäche. Darauf aufbauend habe ich zur Festigung meiner Ergebnisse weitere am Unterricht beteiligte Kollegen gebeten, die zielgerichteten Beobachtungen bei ... durchzuführen . Um die Beobachtung des Schülers intensiv und differenziert durchzuführen, ist eine Zeitspanne von zwei Wochen unbedingt nötig.
Die Auswertung des Beobachtungsbogens bildet die Grundlage zur Aufstellung von Hypothesen bezüglich der Wahrnehmung. Am Ende des Beobachtungsbogens können diese schriftlich festgehalten werden.
4.2 Aufstellen von Hypothesen
Das Aufstellen von Hypothesen ist notwendig, um ein zielgerichtetes Arbeiten zu gewährleisten. Sie bilden die Grundlage zur Auswahl der durchzuführenden Tests. Außerdem wird die sich anschließende Förderung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit kontrollierbar. Nach Abschluss der Förderung müssten ähnlich ausgerichtete Tests und Beobachtungen die Ausgangshypothesen nicht mehr bestätigen. Die Hypothesen umfassen den Bereich der auditiven Wahrnehmung und den Schweregrad der Störung. Eine Fehlfunktion in einem einzelnen Bereich der Wahrnehmung ist anzunehmen, wenn die überwiegende Anzahl der Beobachtungskriterien mit "trifft sehr zu" bzw. mit "trifft meist zu" angekreuzt wurde. Für ... ergeben sich nach der Auswertung des Beobachtungsbogens folgende Hypothesen:
1. ... hat schwerwiegende Störungen im Bereich des auditiven Gedächtnisses.
2. ... hat schwerwiegende Störungen im Richtungshören.
3. ... hat leichte Störungen in den Bereichen dichotisches Hören, selektives Hören und in der Lautdiskrimination.
Diese ermittelten Störungen behindern ... erheblich im Lernen. Es ist unbedingt nötig, die auditive Wahrnehmungsfähigkeit von ... zu fördern.
4.3 Auswahl und Begründung der Tests
Die Auswahl der entsprechenden Tests richtet sich nach der Aufstellung der Hypothesen. Der Lehrer erstellt aus seinem Wissen eine Liste über mögliche Tests. Einzelne Tests sind von Sonderschullehrern nicht allein durchzuführen. In diesen Fällen muss der Sonderschullehrer mit außerschulischen Experten zusammenarbeiten. Ein Test, der sich für viele Bereiche der auditiven Wahrnehmungsstörungen einsetzen lässt und der auch von Sonderschullehrern durchgeführt werden kann, ist das "Diagnostische Inventar auditiver Alltagshandlungen" .
Mit ... habe ich alle Kernaufgaben des DIAS durchgeführt. D. h. ich habe mich, um ein sehr genaues Ergebnis für ... zu erhalten, über die Kurzform hinaus auf die Kernaufgaben des DIAS bezogen.
Alle Übungen im Bereich der Differenzierung haben gezeigt, dass ... diese Stufe vollständig abgeschlossen hat.
Die Stufe der Lokalisation hat er in keinem Komplexitätsgrad erreicht. Auch Einzelgeräusche lokalisiert er auf dieser Stufe nicht mehr.
Das steht in engem Zusammenhang damit, dass ... erhebliche Schwierigkeiten im Bereich des Richtungshörens hat. Die Übung "Knackfrosch" erforderte von ... die Richtung des Geräusches zu bestimmen und sich darauf hin zu bewegen. Gleichzeitig musste er den Ton des "Knackfrosches" aus anderen Geräuschen erkennen.
Das erfordert das selektive Hören. Ohne Richtungsanzeige konnte ... in den meisten Fällen anzeigen, wann der "Knackfrosch" einsetzte. Die Übung wurde zusätzlich aufgenommen.
Die Aufgaben des DIAS verbinden in der Regel mehrere Bereiche der auditiven Wahrnehmung. Das ist erschwerend für die Schüler. Die Übung "Geräuschekim" zeigte, dass ... einzelne Geräusche identifizieren konnte. Die Benennung der Geräusche erfolgte jedoch teilweise unvollständig und nicht in der richtigen Reihenfolge. Das lässt darauf schließen, dass ... Beeinträchtigungen im Bereich des auditiven Gedächtnisses hat.
Da die Auswertung des Beobachtungsbogens für ... die Vermutung nahe legte, dass er Beeinträchtigungen im auditiven Gedächtnis hat, möchte ich nachfolgend den Mottier-Test , ein Verfahren zur Überprüfung der auditiven Gedächtnisleistung, vorstellen. Bei diesem Test wird ... dazu angehalten Pseudowörter nachzusprechen. Bei der Durchführung des Tests habe ich darauf geachtet, dass eine lautarme Atmosphäre herrschte. In unserer Schule eignet sich dazu besonders der Musikraum. Die Motivation für ... wird durch Äußerungen wie: "Wir lernen heute einige Wörter aus der Sprache der Afrikaner" aufgebaut. Ich sprach jedes Pseudowort deutlich und unter gleichmäßiger Betonung jeder Silbe vor. Ein Lippenablesen ist zu vermeiden. ... spricht die Wörter nach. Nur jedes vollständig richtig gesprochene Wort wird mit einem Punkt gewertet. Die Wörter werden mit "richtig" und "falsch" auf dem Bogen gekennzeichnet. Falsch oder unvollständig gesprochene Wörter können auf einem gesonderten Blatt oder unter dem Pseudowort notiert werden. Diese qualifizierte Auswertung kann Aufschluss über gleichbleibende Lautverwechslungen geben. Die einzelnen Punkte für die richtigen Wörter werden zusammengezählt und geben entsprechend der Altersstufe Auskunft über die Leistungen im auditiven Gedächtnis. Die Punktzahl für die richtigen Silbengebilde ist der Vergleichswert zum Zentralwert, zur mittleren Breite, zum Maximalwert und zum Minimalwert. Die Auswertung des Mottier-Tests für den Schüler ... ergab 16 richtig produzierte Silbengebilde. Damit ist sein Wert weit unterdurchschnittlich. Laut Mottier-Test haben Schüler schon im Alter von 12 Jahren ab einem Rohwert von 18 eine stark reduzierte auditive Merkfähigkeit. Damit ist von einer Beeinträchtigung im auditiven Gedächtnis bei ... auszugehen.
Lernvoraussetzungen im Förderbereich der auditiven Wahrnehmung
(Grundlage: DIAS und Mottier – Test) |
Schüler...
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| Auditive Aufmerksamkeit |
-
|
| Richtungshören |
--
|
| Selektives Hören |
-
|
| Dichotisches Hören |
-
|
| AuditivesGedächtnis |
--
|
| Lautdiskrimination |
-
|
| Lautheitsempfinden |
o
|
| Tonhöhendiskrimination |
o
|
+ + sehr gut ausgebildet
+ gut ausgebildet
o im Ansatz vorhanden
- Bemühungen erkennbar, weitere Förderung nötig
- - zeigt Defizite, weitere Förderung unbedingt notwendig
4.4 Kooperationsgespräche über den Schüler
4.4.1 Kooperationsgespräche mit den Kollegen innerhalb der Schule
Eine bedeutende Qualifikation des Sonderschullehrers für eine erfolgreiche Arbeit ist das Kooperieren. Dabei arbeitet der Lehrer zunächst an der Schule mit seinen Kollegen zusammen, die den jeweiligen Schüler ebenfalls unterrichten. Bezüglich des Schülers ... habe ich Kontakt mit dem Sportlehrer aufgenommen, der mir meine auf dem Schulhof und bei der Klassenfahrt gemachten Vermutungen bestätigte, dass ... große Schwierigkeiten bei der Orientierung im Mannschaftssport hat und den Zuruf seiner Mitspieler nur sehr schwer lokalisieren kann. Häufig orientiert er sich bei einzelnen Aufträgen an seinen Mitschülern, wobei der Sportlehrer die Vermutung äußerte, dass ... die Anweisungen bei einem erhöhten Geräuschpegel besonders schwer versteht und umsetzen kann.
Außerdem sollte eine Kooperation zwischen den Kollegen an dieser Stelle auch immer darin bestehen, dass alle am Unterricht beteiligten Lehrer den entwickelten Beobachtungsbogen ausfüllen. ... hat außer mit mir noch bei der Klassenlehrerin und dem Sport- und Physiklehrer Unterricht. Auf meine Bitte haben beide den Beobachtungsbogen ausgefüllt. Sie konnten mich in meinen Beobachtungen bezüglich ... weitestgehend bestätigen. Einzelne kleinere Abweichungen wurden im persönlichen Gespräch thematisiert. Dabei wurden auch die Hypothesen formuliert, da beide Kollegen sich erst mit der Bedeutung und den Inhaltsbereichen der Hypothesen vertraut machen mussten. Damit bildet der Beobachtungsbogen den Ausgangspunkt für gemeinsames und zielgerichtetes Arbeiten.
4.4.2 Kooperation mit der zuständigen Beratungsstelle für Hörgeschädigte
Weiterführend sollte jetzt eine Kooperation mit der jeweiligen, sich in der Nähe befindenden Beratungsstelle einsetzen. Im Fall ... ist es die Beratungsstelle für Hörgeschädigte in Bielefeld. Um eine mögliche Kontaktaufnahme bezüglich des Schülers zu gewährleisten, ist es die Aufgabe des Sondeschullehrers die Eltern zu informieren, dass eine mögliche Beeinträchtigung der auditiven Wahrnehmung besteht. Für Sonderschüler erfolgt eine Überprüfung in der Regel nur im VO-SF. Ein Problem bilden ältere Schüler. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sind der Meinung, dass die Förderung zwingend in einem sehr frühen Alter einsetzen muss, so dass ältere Schüler für die Überprüfung abgelehnt werden. Dieser Ansatz ist nach meinem Empfinden richtig, es sollte jedoch in diesem Zusammenhang bedacht werden, dass auch ältere Schüler die Chance erhalten, ihre Defizite in diesem Bereich auszugleichen.
Im Idealfall einer Überprüfung des Schülers werden die Testergebnisse in den einzelnen Bereichen der auditiven Wahrnehmung den Eltern schriftlich zugeschickt. Dieses Schreiben enthält auch Anregungen für die Schule, welche Maßnahmen zur Förderung des Schülers einzuleiten sind. Die vorgeschlagenen Maßnahmen beziehen sich jedoch vorrangig auf eine Änderung des schulischen Umfeldes des Schülers, wie z. B. die Ausstattung mit Teppichboden oder die Veränderung der Sitzordnung. Übungen zur Förderung der Schüler sind nur im geringen Maße enthalten. Das Schreiben der Beratungsstelle erhalten immer die Eltern. Der Lehrer muss, um das Schreiben ebenfalls zu erhalten, Kontakt mit den Eltern aufnehmen. Zur gemeinsamen Besprechung und Auswertung ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Lehrer unverzichtbar. Der von mir angebahnte Kontakt von ...s Eltern zur Beratungsstelle in Bielefeld konnte aus den obengenannten Gründen nicht erfolgreich beendet werden. ... wurde leider für eine Überprüfung abgelehnt.
4.4.3 Anamnese und Beratungsgespräche mit den Eltern
Eine Kooperation des Lehrers mit den Eltern ist in der diagnostischen Phase der Feststellung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit sehr wichtig und auch in der Phase der Förderung. Aus diesem Grunde habe ich mit den Eltern von ... zur Klärung seiner auditiven Fähigkeiten ein Gespräch geführt. Das Elterngespräch habe ich nach Terminabsprache bei der Familie zu Hause durchgeführt. Ich habe mich während des Gespräches immer um eine angenehme Atmosphäre bemüht. Dieses fiel nicht sehr schwer, da die Eltern sehr positiv eingestellt waren und an der Entwicklung von ... sehr interessiert sind. Besonders am Beginn des Gespräches war es mir besonders wichtig, die Fähigkeiten ... in den Mittelpunkt zu stellen. Sehr wichtig ist es die Eltern nicht durch zu viele Fragen zu überfordern. Außerdem ist es besser, die möglichen Fragen nicht als direkte Fragen zu stellen, sondern diese durch eine geschickte Gesprächsführung beantwortet zu bekommen.
Im Folgenden möchte ich auf einzelne Fragen bezüglich ... eingehen, die ich mir zur Vorbereitung des Gesprächs überlegt habe. Die Antworten ergaben sich im Verlauf des Gesprächs.
HATTE ... IN DER FRÜHEN KINDHEIT ERKRANKUNGEN DER HÖRORGANE?
Die Eltern konnten die Frage klar verneinen. Diese Frage ist wichtig, um mögliche medizinische Ursachen für eine Beeinträchtigung der auditiven Wahrnehmung auszuschließen. Die Eltern erklärten in dem Zusammenhang, dass ... erst im Alter von zwei Jahren anfing zu sprechen.
LÄSST SICH ... BEIM ARBEITEN ODER SPIELEN SEHR SCHNELL ABLENKEN?
Hier bestätigten mir die Eltern die Vermutung, dass dies der Fall ist. Außerdem berichteten sie, dass sich ... zur Erledigung seiner Schulaufgaben immer in sein Zimmer zurückzieht. Er äußert dann, dass er nicht gestört werden möchte und er sich sonst nicht konzentrieren kann.
HÖRTE ... IN FRÜHEM KINDESALTER GERN GESCHICHTEN?
Hier zeigte ... am Anfang der Geschichte Interesse, verlor dieses aber im Verlauf des Erzählens oder des Vorlesens.
BESCHWERT ... SICH, DASS ZU LEISE GESPROCHEN WIRD?
Manchmal äußert er in der Familienrunde, dass zu leise gesprochen wird. Er beklagt nach Angaben der Eltern, dass der Fernseher zu leise ist.
IST ... ALS KLEINES KIND LAUTSTÄRKEEMPFINDLICH GEWESEN? HIELT ER SICH OFT DIE OHREN ZU?
Diese Frage bestätigten die Eltern in keiner Weise. So etwas ist ihnen nicht aufgefallen.
IST ... UNGERN AN LAUTEN ORTEN, Z. B. AUF DER KIRMES?
Die Eltern äußerten das Gegenteil, er fühlt sich an solchen Orten wohl.
5. Fördermaßnahmen
5.1 Ausgangslage, Perspektiven und zeitlicher Rahmen für die Arbeit mit ...
Auf der Grundlage des Beobachtungsbogens , der Tests , der Gespräche mit den Eltern und der Kooperation mit anderen Kollegen konnten die aufgestellten Hypothesen für ... bestätigt werden.
Die nachfolgend dargestellten Fördermaßnahmen haben das Ziel, ... Beeinträchtigungen in diesen Bereichen zu verringen bzw. auszugleichen. Nach erfolgreicher Beendigung aller Maßnahmen sollte ... bei einer wiederholten Überprüfung seiner Leistungen keine Störungen im Bereich des dichotischen und selektiven Hörens sowie der Lautdiskrimination aufweisen. Im Bereich des auditiven Gedächtnisses und des Richtungshörens sollen nur noch leichte Störungen bei ... auftreten.
Dieses bringt für ... die folgenden Verbesserungen in seinem schulischen Alltag mit sich:
- ... fragt bei Diktaten weniger oft nach.
- ... erzielt bessere Ergebnisse in Diktaten.
- ... erkennt in Gruppengesprächen auch ohne genaueren Hinweis den Sprecher.
- ... versteht Arbeitsaufträge, die für die gesamte Klasse gegeben werden, besser.
- ... orientiert sich nicht mehr so oft an seinen Mitschülern, sonder verläßt sich mehr auf sein
- eigenes Aufgabenverständnis.
- ... muss nicht mehr gesondert angesprochen werden.
Der Förderzeitraum für ... ist auf Grund seiner schwerwiegenden Störungen mindestens mit einem halben Jahr anzusetzen. Hierbei sind die Beobachtungen, diagnostischen Tests und Beratungsgespräche enthalten. Für die Diagnostik sind mindestens zwei Monate zu berechnen, da hier nicht nur eigene Beobachtungen berücksichtigt werden, sondern auch die der Kollegen und der Eltern. An die Analyse der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit schließt sich die konkrete Förderung an, die zunächst einen Zeit-raum von vier Monaten umfasst. Danach ist es nötig, die Förderung zu evaluieren, um somit Rückschlüsse über die Effizienz der Arbeit zu erhalten. Darauf aufbauend können ggf. neue Maßnahmen eingeleitet werden. Andererseits kann mit Hilfe der Evaluation auch der Erfolg der durchgeführten Maßnahmen bestätigt werden. Nach einer durchgeführten Beurteilung ist es auch möglich, den zeitlichen Rahmen für die Förderung von ... neu zu definieren. Möglichkeiten zur Evaluation werden im Kapitel 6 näher ausgeführt.
5.2 Änderung des schulischen Umfelds des Schülers
Auf der Grundlage der bisherigen Erkenntnisse der Wissenschaft lassen sich die Fördermaßnahmen in drei große Gruppen einteilen:
1.) Interventionen zur Verbesserung der auditiven Wahrnehmungsstörungen (übende Verfahren)
2.) Verfahren zur verbesserten Kompensation gestörter Dysfunktionen (z. B. metakognitive Verfahren)
3.) Kompensatorische Verfahren zur Verbesserung der akustischen Signalqualität
Bezüglich des Konzeptes für ... möchte ich zunächst auf die kompensatorischen Verfahren zur Verbesserung der Signalqualität eingehen. Zu solchen Verfahren gehört die Verbesserung der Schallreflexion in Schulräumen. Diese Verbesserung kann durch das Anbringen von geeigneten Textilien zur Verringerung des Störschalls geschehen. Dazu zählen Gardinen, die ggf. im Textilunterricht mit den Schülern der Klasse ... gemeinsam hergestellt werden können. Optimal zur Dämpfung von Störgeräuschen wäre es alle Klassenräume, in denen ...unterrichtet wird, mit Teppichboden auszulegen. Dieses ist natürlich auf Grund des knappen Schuletats nicht möglich. In unteren Klassenstufen bieten sich auch rutschfeste Socken oder Hausschuhe als Ersatz für den Teppichboden an.
Zur Verbesserung der Qualität akustischer Signale von Seiten der Lehrer ist es nötig, dass der Lehrer langsam und deutlich artikuliert spricht. Darauf müssen alle Lehrer im Rahmen der Kooperation aufmerksam gemacht werden. ... kann als auditiv gestörter Schüler Informationen besser aufnehmen, wenn diese ihm direkt zugewandt gegeben werden. Deshalb ist es günstig, wenn ... möglichst weit vorn sitzt. Das wurde in der Klasse durchgeführt. ... sitzt jetzt in der ersten Reihe. Sehr positiv wirkt es sich auf die Schüler aus, wenn sie allein oder neben einem ruhigen Schüler sitzen. Dadurch werden direkte Störgeräusche vermieden. In der Klasse ... ist es nicht möglich, dass ... allein sitzt, da in der Klasse gegenwärtig 15 Schüler lernen. Er sitzt jetzt neben ..., einem sehr ruhigen Schüler.
5.3 Veränderungen in der Unterrichtsstruktur
Innerhalb der Gruppe müssen Strukturen erarbeitet werden, die förderlich für die auditive Wahrnehmung der Schüler sind. Dazu gehört, dass besonders bei Klassengesprächen eine Gesprächsdisziplin vorhanden ist, die mit den Schülern der Klasse ... gemeinsam erarbeitet wurde. Dadurch werden zu große Nebengeräusche ausgeschlossen, die für ... die Verarbeitung des Gehörten zusätzlich erschweren. ... erhält innerhalb von Klassengesprächen immer einen Platz, von dem er möglichst alle Schüler sehen kann. So kann er, da er Schwierigkeiten im Richtungshören hat, schneller erkennen, aus welcher Richtung die jeweilige Wortmeldung kommt. Positiv wirkt es sich in Gruppengesprächen auch aus, wenn der jeweilige Sprecher namentlich genannt wird.
Auswirkungen des schwachen auditiven Gedächtnisses von ... werden verringert, wenn Aufgaben bzw. Informationen in einfachen und kurzen Sätzen gegeben werden. Sie sollten zusätzlich vom Schüler wiederholt werden. Der Lehrer soll in diesem Zusammenhang den Schüler nicht fragen: ?Hast du das verstanden?“ Er fragt besser ?Was habe ich gesagt?“ oder „Was sollst du tun?“. Zudem muss in der gesamten Gruppe für die Schüler ein angenehmes Arbeitsklima herrschen, in dem die Schüler ohne Angst nachfragen können. Dieses Nachfragen darf vom Lehrer nicht als Unaufmerksamkeit gedeutet werden.
... zeigt, wie viele Schüler mit Beeinträchtigungen im auditiven Gedächtnis, bedeutend größere Schwächen im Bereich des mündlichen Rechnens als im schriftlichen Rechnen. Deshalb müssen zu mündlichen Aufgaben visuelle Hilfen gegeben werden. Dadurch wird er zur weiteren Arbeit motiviert und nicht durch schlechte Leistungen im Mathematikunterricht zusätzlich frustriert.
Fällt es ... schwer zuzuhören, dann ist es wichtig, dass er in diesen Situationen nicht negativ ermahnt wird, da so die Höraufmerksamkeit weiter verschlechtert wird. Hier ist es besser, den Schüler immer wieder neu zum Hören zu motivieren. Dem Schüler müssen Hörangebote gemacht werden, die zum Zuhören motivieren. Für ... müssen es Hörinhalte sein, die ihn in seiner Lebenswirklichkeit betreffen und in seiner Persönlichkeit wahrnehmen. Da er sehr am Sport interessiert ist, liegen in diesem Bereich mögliche interessante Höranlässe.
Vorteilhaft ist es für auditiv beeinträchtigte Schüler, wenn der Unterrichtsverlauf vorab transparent gestaltet wird. Den Schülern kann eine Grobgliederung des Tagesablaufes visuell gegeben werden. Dadurch können immer wieder Hinweise auf den aktuellen Tagesstand gegeben werden. Das erspart Schülern wie ... eine Menge an Konzentrationskraft für den Tag.
Außerdem sind den Schülern Stilleräume oder Ruheecken in der Schule anzubieten, die es ihnen ermöglichen Hörpausen einzulegen, um danach wieder konzentrierter arbeiten zu können. Dazu würde sich in ... Klasse der an den Klassenraum angrenzende Raum eignen, der mit einigen bequemen Sitzmöbeln und Teppichboden ausgestattet werden könnte.
5.4 Zielgerichtete Übungen zur Förderung der auditiven Wahrnehmung in der Schule
5.4.1 Grundlegende Aussagen zu den Übungen
Die folgenden Maßnahmen der Einzelförderung beziehen sich auf die vorrangigen Bereiche der auditiven Wahrnehmung. Die Förderungen sollen einerseits in dem Aufbau von verschiedenen Grundfähigkeiten, z. B. der psychomotorischen Förderung als Grundlage für das Richtungshören, liegen. Anderer-seits steht die Förderung von nicht ausreichend entwickelten Bereichen der auditiven Wahrnehmung im Mittelpunkt (z. B. auditives Gedächtnis oder Lautdiskrimination). Darauf beziehe ich mich vorrangig in meinem Konzept. Zusätzlich erhält der Ausbau von Stützfunktionen wie Konzentration, Motivation oder Frustrationstoleranz besondere Bedeutung, da diese es den Schülern ermöglichen Kompensationsstrategien einzusetzen.
Im Rahmen meines Konzeptes sind zunächst einige grundlegende methodisch - didaktische Hinweise wichtig. Im Hinblick auf das Handlungsmodell von EGGERT ist es von Bedeutung, die Fördermaßnahmen entsprechend des jeweiligen Komplexitätsgrades und der jeweiligen Entwicklungsstufe der auditiven Wahrnehmung des Schülers einzusetzen. Für ... sollen die Übungen vorrangig auf der Entwick-lungsstufe der Lokalisation und im Komplexitätsgrad der Einzelgeräusche ansetzen. Dieses ergibt sich aus den Ergebnissen des DIAS . Unterschiedliche Übungen, die mit den Schülern durchgeführt werden, sollten immer ein aktives Handeln der Schüler ermöglichen.
Außerdem muss „die Förderung der auditiven Wahrnehmung von nichtsprachlichen Förderanlässen, wie den Umgang mit Geräuschen oder Tönen ausgehen. Erst wenn diese Teilfähigkeiten beherrscht werden, sind sprachgebundene Förderanlässe sinnvoll .“
5.4.2 Übungsbeispiele zur Förderung der auditiven Wahrnehmung von ...
Die folgenden Übungsbeispiele wurden speziell für den Schüler ... ausgewählt. Die Übungen sind der Entwicklungsstufe von ... angepasst und nicht zu kindlich gestaltet. Sie müssen ... als Heranwachsenden wahrnehmen. Andererseits ist er noch sehr für Spiele zu motivieren. ... hat schwerwiegende Störungen im Bereich des Richtungshörens und im auditiven Gedächtnis. Diese Bereiche sind vorrangig zu fördern. Deshalb habe ich für diese Bereiche jeweils zwei bzw. drei Übungsbeispiele angegeben. Aber auch die Bereiche, in denen ... leichte Störungen hat, sind mit ihm im Rahmen des Förderkonzeptes zu fördern. Dazu habe ich exemplarisch ein bis zwei weitere Übungen aufgeführt. In diesem Zusammenhang ist unbedingt zu erwähnen, dass auch die anderen Wahrnehmungsbereiche mit ... zu trainieren sind, da keiner der Bereiche isoliert existiert, sondern alle in ihrem komplexen Zusammenhang zu sehen sind. Die Übungen werden zum größten Teil in der Gruppe durchgeführt. Dabei sollte ... überwiegend Wahrnehmungsaufgaben übernehmen. Aber auch andere Schüler können diese Rolle übernehmen, damit ... in der Gruppe integriert arbeiten kann.
Übungen zur Förderung des Richtungshörens
... hat die Augen verbunden. Die anderen Schüler der Klasse verteilen sich im Raum und machen nacheinander mit Instrumenten Geräusche. ... zeigt die Richtung, aus der das Geräusch kommt. Es kann von ... auch ein Ball in die Richtung des Geräusches gespielt werden oder er kann sich auf das Geräusch zu bewegen.
Zur Übung des Richtungshörens eignen sich besonders Klangspiele mit verbundenen Augen. So können zum Beispiel zwei Gruppen von Schülern der Klasse ... gebildet werden. Eine Gruppe erhält verschiedene Instrumente und verteilt sich im Raum. Die anderen Schüler müssen mit verbundenen Augen ein zugeteiltes Instrument finden. ... sollte dabei unbedingt in der Gruppe der Suchenden sein, da er in diesem Bereich besonders gefördert werden soll. Durch das Bewegen der Instrumente wird die Übung variiert. Diese Übung ist auch im Bereich des selektiven Hörens anzuwenden.
Übungen zum auditiven Gedächtnis
Ein Schüler macht Einzelgeräusche mit Instrumenten oder Gegenständen vor. ... hört diese nur. Anschließend reproduziert er die Geräusche mit den Instrumenten in der richtigen Reihenfolge.
Mit unterschiedlichen Gegenständen können Alltagsgeräusche produziert werden. Diese werden zunächst mit ... gemeinsam erzeugt, damit er sie genau hören lernt. Danach sind mehrere dieser Geräusche zu hören. ... erhält die Aufgabe, sie in der richtigen Reihenfolge zu benennen. Der Schwierigkeitsgrad wird mit zunehmender Geräuschezahl gesteigert.
Darauf aufbauend können sprachliche Übungen folgen. ... wird ein Reimvers gesagt. Diesen versucht er sich durch mehrmaliges Aufsagen einzuprägen. Danach löst er eine kurze Aufgabe (z. B. Rechenaufgabe). Jetzt muss er den auswendig gelernten Vers wiederholen.
Übungen zur Förderung des selektiven Hörens
Hierbei ist es wichtig, dass der Schüler aus einer Vielzahl von Geräuschen einzelne Geräusche unterscheiden kann. Es werden verschiedene Alltagsgeräusche (Bahngeräusche, Autolärm) aufgenommen. Beim Auftreten eines bestimmten Signaltons, z. B. eine Autohupe, gibt ... ein Zeichen.
Übungen zum dichotischen Hören
Auf einem Tonband sind Kirchenglocken aufgenommen. Die Lautsprecher & Balance wird so geregelt, dass ... das Geräusch abwechselnd links und rechts hört. Er hat die Aufgabe sich auf den Lautsprecher hin zu bewegen, aus dem die Glocken zu hören sind.
... steht im Raum, ca. ein Meter links und rechts stehen zwei weitere Schüler. Diese sprechen ... zeitgleich zwei unterschiedliche Zahlen oder Wörter zu. Der Schüler soll versuchen beide Informationen zu erkennen und wiederzugeben.
Übungen zur Lautdiskrimination
... wird ein Wort genannt. Er wird aufgefordert dieses zu wiederholen. Zusätzlich soll er ermitteln, ob in dem Wort ein bestimmter Laut enthalten ist. Diese Übung ist mehrmals zu wiederholen.
5.5 Außerschulische Fördermaßnahmen
Innerhalb der außerschulischen Maßnahmen steht besonders die Einbeziehung der Eltern im Mittelpunkt. Dabei ist es wichtig, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen von den Eltern leicht, ohne großen Aufwand und an vielen Orten durchgeführt werden können. Die Aufgabe des Lehrers ist es hierbei, mit den Eltern zu kooperieren und ihnen geeignete Förderübungen vorzuschlagen, die sie mit ihren Kindern durchführen können. Dabei sollte den Eltern auch der Hinweis geben werden, dass häufige kurze Übungen (10 Minuten pro Tag) besser sind als seltene lange Übungseinheiten. Sehr wichtig ist es von Seiten der Eltern, den Fernsehkonsum der Kinder zu beschränken und dafür Hörspiele oder ähnliche Aktivitäten in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Punkte sollten unbedingt bei einem Elterngespräch mit Familie ..., welches sich auf die Förderung innerhalb der Familie richtet, angesprochen werden. Im Folgenden möchte ich sechs Übungsbeispiele für Eltern vorstellen:
Geschichten hören
Die Eltern oder die ältere Schwester könnten ...häufig kurze Geschichten erzählen oder vorlesen. Danach soll ... Aussagen des Erzählers zu den Geschichten als richtig oder falsch bewerten.
Mit Geräuschen arbeiten
Das Kind schließt die Augen und die Eltern erzeugen unterschiedliche Geräusche mit verschiedenen Alltagsmaterialien, z. B. Papier. Das Kind soll anschließend die Reihenfolge der Geräusche benennen. Diese Übung ist auch auf Spaziergängen oder auf Autofahrten möglich.
Sich etwas merken
... wird von den Eltern beauftragt, ohne einen Einkaufszettel etwas einzukaufen. Eine andere Möglichkeit ist es, dass das Kind verschiedene Aufträge im häuslichen Bereich nach mündlicher Anweisung erledigt.
Gedächtnisspiele
Ein Gedächtnisspiel, bei dem sich das Kind verschiedene Gegenstände in der Reihenfolge merken muss, ist „Ich packe meinen Koffer“.
Rhythmus klopfen
Hierbei geht es um das Vorklatschen und Nachklatschen verschiedener Rhythmen, was auch zur Motivation des Kindes mit Klanghölzern oder ähnlichen Musikinstrumenten geschehen kann. Zunächst sollte mit einfachen Rhythmen begonnen werden. Weiterführend können auch die Lieblingslieder der Kinder begleitet werden.
Lieder singen
Das Singen von Liedern schult das auditive Gedächtnis. Für ... bietet sich die Fördermaßnahme besonders gut an, da er sehr viel Freude am Nachsingen besonders von aktuellen Liedern hat. Es muss aber beachtet werden, dass von einer ständigen musikalischen Geräuschkulisse, z. B. bei den Hausaufgaben, abzuraten ist. Hierbei wird das Kind zu ungenauem Hinhören verleitet. Musik sollte immer bewusst wahrgenommen werden.
Die Eltern sollten ... immer wieder zu einem aktiven Hören animieren. Das kann besonders gut im Straßenverkehr geschehen. So kann ... aufgefordert werden herauszufinden, woher der Bus kommt. Dadurch trainiert er das Gehör nach allen Seiten. Hier besteht auch ein aktueller Lebensbezug, warum eine Verbesserung der auditiven Wahrnehmung notwendig ist. Im Straßenverkehr ist es zur Sicherheit von ... sehr wichtig, dass er genau hören kann und erkennt, aus welcher Richtung das jeweilige Verkehrsmittel kommt.
Außerdem haben die Eltern zu überprüfen, wo das Kind seine Hausaufgaben erledigt. Diese werden oft in der Küche gemacht. Für auditiv gestörte Kinder ist es aber an solchen Orten auf Grund der Nebengeräusche zu laut. Eltern und Lehrer sollten über diesen Punkt ins Gespräch kommen. ... arbeitet in der Regel in seinem Zimmer, aber es sollte kontrolliert werden, ob dabei Musik läuft.
Außerunterrichtliche Förderung des Schülers kann aber nicht nur durch die Eltern erfolgen. Sie geschieht auch innerhalb von Sportvereinen, wenn die Schüler Mitglied sind. Hier kommt es besonders auf den Klassenlehrer an, Kontakt mit dem jeweiligen Übungsleiter aufzunehmen. Der Lehrer hat die Möglichkeit, den Übungsleiter auf die Probleme des auditiv gestörten Kindes hinzuweisen. Dadurch wird es dem Trainer besser gelingen, dem Kind in der Gruppe gerecht zu werden. Er kann seine Übungen auf den Schüler einstellen und ihn somit besser in die Gruppe integrieren. Der Lehrer hat hier die Funktion des Kooperationspartners. Er gibt dem Übungsleiter Anregungen, die er auch in seinem Unterricht beachtet. Dazu gehört u. a. den Schüler direkt anzusprechen, laut und deutlich zu sprechen und die Lautstärke innerhalb der Gruppe auf ein Minimum zu reduzieren. Andererseits kann der Übungsleiter auch wichtige Informationen über den Schüler weiterleiten, die zusätzlich Aufschluss über die Fähigkeiten im Bereich der auditiven Wahrnehmung geben. Das ist besonders in der Phase der Diagnostik wichtig.
... ist momentan noch nicht in einem Sportverein Mitglied. Er hat aber nach Aussage der Eltern die Möglichkeit, nach den Sommerferien in einen Fußballverein einzutreten. Das möchte ... nach eigenen Angaben auch gern. Bei Problemen ist es wichtig, dass der Lehrer mit dem Übungsleiter Kontakt aufnimmt, damit dieser über ... Schwierigkeiten informiert wird und auf sein Verhalten adäquat reagieren kann. ... hat zwar nach Aussage des Sportlehrers häufig Probleme im Mannschaftsport, ist aber immer motiviert und hat großen Spaß dabei. Deshalb ist ... Eintreten in den Sportverein unbedingt zu unterstützen.
6 Evaluation der Förderung
6.1. Beobachtungen und Tests
Die Beobachtungen und Tests, auf denen sich die Förderung aufbaut, habe ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits mit ... durchgeführt. So kann ich während der Evaluation auf eigene praktische Erfahrungen bei der Durchführung der Beobachtungen und Tests zurückgreifen. Bei der Benutzung des entwickelten Beobachtungsbogens für Lehrer hat sich gezeigt, dass es vorteilhaft ist, die Beobachtungen nach den einzelnen Bereichen der auditiven Wahrnehmung zu untergliedern. Das erleichtert die anschließende Auswahl der weiterführenden Tests. Der Beobachtungsbogen erwies sich als sehr praktikabel und gut strukturiert, so dass er die weitere Arbeit erheblich erleichterte. Es bestand ausreichend Platz für die Formulierung der Hypothesen. Erschwerend war der Umfang des Bogens von 4 Seiten. Bei einem Rückblick auf einzelne Beobachtungen wird so die Übersichtlichkeit beeinträchtigt. Die Beobachtungen erfolgen während des Unterrichts und innerhalb der Pausen für den Schüler weitgehend unauffällig. Dieses erwies sich zu diesem Zeitpunkt als vorteilhaft, da hier die aktive Mitarbeit zur Verbesserung seiner Leistungen noch nicht zwingend notwendig war.
Die Ergebnisse des Beobachtungsbogens waren bei allen Lehrern annähernd gleich. Für den Sport- und Physiklehrer war es schwierig, sich zu allen Bereichen der auditiven Wahrnehmung zu äußern. Dieses liegt zum Teil an seiner speziellen Fachkombination als auch an den wenigen Stunden, die er in ... Klasse Unterricht hat. Andererseits konnte er sehr detaillierte Beobachtungen bezüglich des Richtungshören machen. In diesem Bereich bestätigte er schwerwiegende Störungen. Im Gespräch brachte er zum Ausdruck, dass ... hier weit unter dem Klassendurchschnitt liegt. Die Klassenlehrerin konnte in allen Bereichen genaue Angaben machen. Sie bestätigte die schwerwiegenden Störungen im Richtungshören und im auditiven Gedächtnis.
...s aktive Mitarbeit setzte erst mit der Durchführung der verschiedenen Tests ein. Er war den Tests positiv aufgeschlossen und arbeitete bereitwillig mit. Die Durchführung des Mottier - Tests dauerte ca. 10 Minuten und wurde innerhalb des normalen Unterrichtsverlaufs, im Rahmen einer Doppelbesetzung, mit dem Schüler in einem ruhigen Raum durchgeführt. Zusätzliche Motivation brachte für ... ̶das Erlernen der afrikanischen Wörter“. Die Auswertung des Tests ist sehr schnell möglich und gibt eine konkrete Auskunft über die Leistung des auditiven Gedächtnisses. Leider ergab der Test für ... ein sehr negatives Ergebnis. Positiv ist es, dass es jetzt für den Mottier – Test Altersnormen gibt und nicht mehr die Klassennorm. Dadurch werden die Ergebnisse für den jeweiligen Schüler noch genauer. Die qualifizierte Auswertung des Testes ist nur unter größter Konzentration von Seiten des Testleiters möglich, da hier schnell protokolliert und gleichzeitig genau auf die Antworten gehört werden muss. Das muss vom Testleiter im Verlauf vieler Tests geübt werden. Positiv ist der zur Verfügung gestellte Platz zum Notieren von speziellen Auffälligkeiten.
Bei der Durchführung der Kernaufgaben des DIAS zur Ermittlung der auditiven Wahrnehmungsfähig-keiten war ... gern dabei und hatte offensichtlich viel Spaß bei den einzelnen Übungen. Die Aufgaben des DIAS wurden nicht mit ... allein durchgeführt, sondern in der Kleingruppe mit ... und ... Die Ursachen dafür lagen zum einen darin, dass auch für diese beiden Schüler eine auditive Wahrnehmungsschwäche vermutet wurde, andererseits sind die Übungen des DIAS größtenteils für die Kleingruppe konzipiert. Bei ... bestätigte sich die Annahme. Die Auswirkungen konnten bei ... durch die Sitzordnung kompensiert werden. Für ... bestätigte sich die Verdacht nicht.
Während der Testsituation stellte es sich schnell als schwierig heraus, die Übungen mit den Schülern durchzuführen und gleichzeitig zu protokollieren. Günstig ist es deshalb, wenn an der Durchführung des DIAS zwei Lehrer beteiligt sind. Positiv ist die Vielzahl der Übungen mit den abgestuften Schwierigkeitsgraden. Die Übungen sind von der Gestaltung für ... angemessen. Er ist auch in seinem Alter an spielerischen Übungen sehr interessiert. Die Protokollbogen lassen eine Interpretation der Leistungen des Schülers zu. Dadurch kann auch die persönliche Verfassung des Schülers am entsprechenden Tag berücksichtigt werden. Ergänzende Übungen des DIAS lassen sich im Verlauf der Förderung für die Verbesserung der auditiven Wahrnehmung nutzen.
6.2 Bewertung einzelner Maßnahmen
Die Bewertung einzelner Maßnahmen muss sich in erster Linie nach der Fähigkeit der auditiven Wahrnehmung von ... richten. Da sich die Fähigkeiten in der auditiven Wahrnehmung im schulischen Lernen äußern, müssen erfolgreich durchgeführte Fördermaßnahmen für ... .Verbesserungen im Lern- und Arbeitsverhalten zeigen. So fragt ... entsprechend der Zielperspektiven bei Diktaten nicht mehr so häufig nach und er erzielt auch bessere Ergebnisse. Diese sind durch Notentabellen und ein Vergleich der Hefte zu beurteilen.
Die im Kapitel 5.1 aufgeführten Perspektiven im Arbeitsverhalten lassen sich durch den wiederholten Einsatz des Beobachtungsbogens evaluieren. Durch ihn werden die Alltagsbeobachtungen des Lehrers genauer und zielgerichteter. Die Evaluation orientiert sich dabei immer an den aufgestellten Perspektiven. Darauf aufbauend müssen zusätzliche diagnostische Verfahren Auskunft über ... auditive Wahrnehmungsfähigkeit geben.
Hierzu eignet sich besonders das DIAS, das mit seiner vielfältigen Aufgabensammlung die Möglichkeit bietet, die Aufgaben so auszuwählen, dass ... Entwicklungsstufe und der Komplexitätsgrad genau ermittelt werden. Das Erreichen der nächst höheren Stufe, also der Lokalisation im Komplexitätsgrad der Einzelgeräusche, wäre ein Nachweis für Entwicklungsschritte von ... Eine abschließende Durchführung des Mottier-Tests analysiert ... Fortschritte im auditiven Gedächtnis. Zusätzlich kann das Zahlennachsprechen aus dem HAWIK Auskunft über das auditive Gedächtnis geben.
Natürlich sind die dargestellten Übungsaufgaben im Verlauf der Förderung auch ein Mittel zur Evaluation der Leistungen. Hierbei wird ... in seinem Verhalten beobachtet. Erzielte Fortschritte von ... sind im Verlauf der Förderung in einem extra angelegten Heft für ihn zu protokollieren. Hier sollten alle Übungen mit Datum aufgeführt werden, ebenso ... Erfolg bzw. Misserfolg bei einzelnen Übungen. Einzelne besondere Verhaltensauffälligkeiten sollten ebenfalls festgehalten werden. Bei erfolgreicher Förderung werden auch die Erfolge bei den Übungen von ... zunehmen und auffälliges Verhalten wird im Verlauf verringert werden.
Die Protokollierung ist unter folgender Tabelle vorzunehmen:
| Datum |
Fördermaßnahmen |
Erfolg / kein Erfolg von... |
Verhaltensbeobachtungen |
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In die Tabelle sollten auch Fördermaßnahmen, die mit der Unterrichtsstruktur oder dem schulischen Umfeld in Verbindung stehen, eingetragen werden. Dazu zählen z. B. die Veränderung der Sitzordnung, das Anbringen von Raumtextilien oder die Erarbeitung von Kommunikationsregeln in der gesamten Klasse. Die weiterführenden Verhaltensbeobachtungen geben dann einen Rückschluss über den Erfolg der Maßnahmen. Außerdem müssen kooperative Gespräche mit den Eltern und Kollegen geführt werden, um den Leistungsstand von ... genau zu analysieren.
6.3 Maßnahmen zur Diagnose/Förderung im zeitlichen Kontext

7. Kritische Bemerkungen
Die erfolgreiche Realisierung eines Konzeptes zur Förderung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit ist von vielen Bedingungen abhängig:
Da ist zum einen der Rhythmus an der Schule, der laut Stundenplan für die Schüler Fächer wie Mathematik, Deutsch und Geschichte vorschreibt.
Im Gegensatz dazu findet sich die Förderung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit nicht im Stundenplan der Schüler. Sie gilt es in die Fächer zu integrieren oder für sie einzelne Freiräume zu schaffen.
Aber dann besteht die Klasse nicht nur aus ... , sondern aus noch weiteren 14 Schülern, die alle in einzelnen Bereichen Förderbedarf haben. Hier ist die erfolgreiche Durchführung weitestgehend vom Engagement des jeweiligen Klassenlehrers abhängig.
Ebenso ist der Erfolg von der Mitarbeit des Schülers abhängig, was in Wechselwirkung mit dem Verhalten des Lehrers steht.
Schwierig stellen sich auch häufig die äußeren Bedingungen dar. Die Schulen sind für die speziellen Fördermaßnahmen in dem Bereich nicht ausgestattet, so dass vielfältige Improvisationen nötig sind. Dieses ist natürlich der konsequenten Durchsetzung des Konzeptes nicht förderlich und erfordert von den Schülern als auch von den Lehrern viel Kraft.
Hinzu kommt häufig an den Schulen für Lernbehinderte eine mangelnde Mitarbeit der Eltern. Doch gerade innerhalb dieses Konzeptes ist die Mitarbeit der Eltern sowohl in der diagnostischen Phase als auch in der Förderung nötig.
Ein weiteres Problem zeigt sich an den Schulen immer wieder. Die Kooperation der Lehrer untereinander ist häufig nicht ausreichend gegeben. Hier ist es wichtig, dass alle Kollegen ihr Verhalten bezüglich der Kooperation überdenken und neue Wege der gemeinsamen Arbeit beschreiten.
Auch in Betrachtung vieler schwieriger Umstände muss die umfassende Förderung der Schüler im Bereich der auditiven Wahrnehmung ein Anliegen aller Lehrer an Sonderschulen sein. Dadurch werden die Lernerfolge der Schüler verbessert und die Zukunftschancen unserer heutigen Schüler steigen erheblich. Sie werden in die Gesellschaft besser integriert und können ihr persönliches Leben und ihr Arbeitsleben besser bewältigen
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