Diagnostische Verfahrensabläufe dürfen nicht vom zufälligen Kenntnisstand informierter Einzelner abhängig sein.
Zugänge, Verfahrenswege und Verfahrensdauer müssen Allgemeingut und Informationsstand jedes im pädagogischen Bereich Tätigen werden. Unsicherheiten entstehen durch mangelnde Information und Unkenntnis über diagnostische Strategien.

Die unten dargestellten Verfahrensabläufe sind allen TeilnehmerInnen des Projektes präsentiert worden. Nach Diskussion und entsprechenden Änderungen stellen die beiden Schemata das Konsens fähige Konstrukt unserer zukünftigen diagnostischen Handlungsstrategien dar.


Als Prinzipien für die Bereiche Kindergarten und Schule gelten:

frühzeitige Erfassung betroffener Kinder
schnelle zeitliche Abläufe
Standortnähe
Zugriffsmöglichkeit durch Eltern, Ärzte, Schulen...

"Kernstücke" sind die beiden zu schaffenden Kompetenzzentren mit den folgenden Zuständigkeiten:
-  Das Sozialpädiatrische Zentrum (medizinische Diagnostik)
-  Das schulische audiologische Zentrum (psychometrische Diagnostik)
Dadurch entstehen zwei Handlungsstränge, die sich ergänzen und die Chance auf eine umfassende Diagnostik gewähren.
Die Zugriffsmöglichkeiten sind breit angelegt, so dass weitere Personenkreise (Schularzt, Sprachheilberater...) im Beratungsprozess auf die Zentren zugreifen könne, falls eine vertiefende diagnostische Intervention  angezeigt ist..



Verfahrensabläufe zur Diagnose bei Kindern mit AVWS im Bereich Kindergarten






Zur Qualitätssicherung ist eine Stelle denkbar, die beide Zentren vernetzt:
Dadurch werden die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie die Einhaltung der Prinzipien der Verfahrensabläufe gewahrt und eine Durchführung des Case-Managements gewährleistet. Diese Stelle informiert zudem regelmäßig die Schulaufsicht (hier: Schulamt für den Kreis Lippe) über durchgeführte Begutachtungen im Rahmen der beiden Zentren.
Der Zugriff auf Schülerdaten (unter Berücksichtigung des Datenschutzes) bietet außerdem die Möglichkeit der schnellen Intervention, da notwendige Anamnese-Gespräche auf ein Minimum reduziert werden können und ein Überblick über bereits durchgeführte Diagnose-Verfahren vorhanden ist.

Eine weitere Aufgabe des Qualitätsmanagements ist die Verfolgung von Schulkarrieren:
Der ganzheitliche Ansatz des Projektes umfasst auch den Frühförderbereich des Kindergartens für „Risikokinder“ (BISC und HLL). Durch die Einbeziehung dieses Bereichs ist es möglich, den Erfolg/Misserfolg dieser Fördermaßnahme im weiteren Schulleben eines Kindes zu verfolgen, das an der Frühförderung des HLL - Programms bereits teilgenommen hat.



Verfahrensabläufe zur Diagnose bei Kindern mit AVWS im Bereich Schule





Vor der Begutachtung des Kindes in den beiden Kompetenzzentren ist das Vorstellen des Probanden/der Probandin bei einem HNO-Arzt/Pädiater notwendig.

Die Regelschule übernimmt die erste Erfassung betroffener Kinder an Hand verschiedener Verfahren, in die die LehrerInnen dieser Schulform eingewiesen werden. Es handelt sich um leicht einsetzbare Verfahren, die Hinweise auf Kinder mit AVWS geben: Screening-Bogen und Mottier-Test .

Diese Verfahren eröffnen als „Starterset“ der Regelschule den Einstieg in die Diagnose. Verdichtet sich der Verdacht auf AVWS bei einem Kinde, stehen mehrere Anlaufstellen/Möglichkeiten zur Durchführung einer weitergehenden Diagnose zur Verfügung:
HNO-Arzt, Kinderarzt, Schularzt, Kindergarten, Sprachheilberater, Sonderschule und Schulpsychologischer Dienst.